Kreistag gibt grünes Licht für weitere Konsolidierung, damit die Kliniken dauerhaft eine spitzenmäßige Gesundheitsversorgung anbieten können
Spitzenmäßige Versorgung der Menschen im Kreis, sinnvolle Schwerpunkte bei stationären und ambulanten Leistungen, enge Zusammenarbeit zwischen den Klinik-Standorten und mit umliegenden Krankenhäusern, nachhaltige Verbesserung der Wirtschaftlichkeit: Diese strategischen Kernziele markieren den Kurs der Rems-Murr-Kliniken, die mit Rückendeckung des Kreistags ihre 2017 verabschiedete Medizinkonzeption weiterentwickeln und fit machen für die Zukunft. Mittelfristig, so der einstimmige Beschluss, soll damit das Klinik-Defizit auf weniger als 20 Mio. Euro schmelzen und der Kreishaushalt entlastet werden. Bereits 2025 hatten Aufsichtsrat und Geschäftsführung ein erstes Konsolidierungspaket geschnürt, das ebenfalls im Kreistag einstimmig gebilligt wurde. Die Projekte zur Verbesserung der Wirtschaftlichkeit zeigen erfreuliche erste Wirkungen: 2025 konnte das vorläufige Jahresergebnis der Kliniken von noch minus 34,5 Mio. Euro im Vorjahr auf unter minus 30 Mio. Euro gesenkt werden. Damit verbessern sich die Kliniken um 5 Mio. Euro und schneiden zudem besser ab als der Wirtschaftsplan (-32,8 Mio. Euro).
Gesichert ist nun auch, dass das Land die Campus-Weiterentwicklung Winnenden und den Neubau der Pflegeschule mit über 21 Millionen Euro fördert. Nach der bereits umfangreichen Förderung des Landes für Schorndorf haben Landrat Dr. Richard Sigel und André Mertel, Geschäftsführer der Rems-Murr-Kliniken, damit nun auch für Winnenden die Bestätigung des Ministeriums für Soziales, Gesundheit und Integration Baden-Württemberg erhalten, dass der Kurs stimmt und die Zielrichtung der kontinuierlich fortgeschriebenen Medizinkonzeption unterstützt wird.
„Das sind sehr gute Signale. Wir sind trotz schwierigster Rahmenbedingungen auf dem richtigen Weg. Und wir stellen jetzt gemeinsam die Weichen, damit wir den Menschen auch in Zukunft eine gute, verlässliche Gesundheitsversorgung bieten können. Dafür haben wir vollen Rückhalt des Sozialministeriums, das unsere Kliniken an beiden Standorten unterstützt, weil wir rechtzeitig unsere Hausaufgaben gemacht haben“, sagt Landrat Sigel, gleichzeitig Aufsichtsratsvorsitzender der Rems-Murr-Kliniken. „Aber wir stehen wie alle Kreise und Kommunen in Deutschland vor grundlegenden Herausforderungen in der Finanzierung unserer Krankenhäuser, denn die Kassen sind überall leer. Die mit vielen Hoffnungen verbundene Krankenhausreform des Bundes bringt uns leider keine nachhaltige wirtschaftliche Entlastung. Weil keine Hilfe aus Berlin in Sicht ist, müssen wir mit verschärftem Konsolidierungskurs weiterhin selbst anpacken, wenn wir nicht zum Sanierungsfall werden wollen.“
Foto: © bebop media
Der Landrat ist ebenso überzeugt wie der Kreistag und die Klinikverantwortlichen: „Unser Kurs stimmt grundsätzlich. Unsere 2017 beschlossene Medizinkonzeption war und ist richtig. Sie hat uns beinahe ein Jahrzehnt erfolgreich getragen, und wir haben gemeinsam alle Meilensteine erreicht an unseren Standorten in Winnenden und Schorndorf. Beide Standorte brauchen wir, beide entwickeln wir weiter. Und in beiden Häusern investieren wir natürlich weiterhin in moderne Gebäude und Ausstattung, in qualifizierte Pflege-Ausbildung, ins Personalwohnen und in Zukunftsthemen wie das Ambulante Operieren“, so Dr. Sigel. „Wir tragen weiterhin gemeinsam die Verantwortung für unsere gesunde Zukunft, und damit ist auch die wirtschaftlich gesunde Zukunft gemeint. Deshalb justieren wir unseren Kurs dort neu, wo es medizinisch sinnvoll und wirtschaftlich nötig ist. Wir rücken einige Themen stärker in den Fokus als bisher. Ich freue mich sehr, dass wir das im vollen Einvernehmen mit Aufsichtsrat und Kreistag tun und die nötigen Maßnahmen vorantreiben können.“
Schon jetzt drehen die Kliniken jeden Euro um, damit die Medizin bezahlbar bleibt. „Wir stecken viel Kraft in die Konsolidierung: Wir haben zum Beispiel Sach- und Energiekosten gesenkt und verhandeln mit Dienstleistern die besten Preise. Wir haben stark in eigenes Pflegepersonal investiert, damit wir deutlich teureres Fremdpersonal sparen. So konnten wir dank unserer tatkräftigen neuen Pflegeleitungsstruktur 2025 in Schorndorf unser Fremdpersonal auf null und in Winnenden sehr stark reduzieren. In allen Bereichen optimieren wir Abläufe und digitalisieren Prozesse“, erläutert André Mertel, Geschäftsführer der Rems-Murr-Kliniken. „Mit diesen und vielen weiteren Konsolidierungsmaßnahmen haben wir es geschafft, dass wir unser vorläufiges Jahresergebnis 2025 zum Vorjahr um 5 Mio. Euro verbessern konnten. Für diesen Kraftakt und für die noch folgenden Anstrengungen danke ich unseren Mitarbeitenden. Denn von ihrem Engagement hängt es ab, ob unsere Konsolidierung erfolgreich ist: beim kostenbewussten Umgang mit Ressourcen, bei unserem neuen Ideen-Management, das Anregungen der Mitarbeitenden aufgreift, und natürlich bei der Versorgung unserer Patientinnen und Patienten. Wenn diese zufrieden sind, ist das die beste Investition in die Zukunft unserer Kliniken.“
Sparen allein reicht jedoch nicht, damit das Klinik-Defizit weiter schmilzt. „Vieles, was wir an einer Stelle sparen, wird leider an anderer Stelle wieder von gestiegenen Kosten aufgezehrt“, sagt Mertel. „Deshalb gehen wir jetzt mit Mut, Verantwortungsbewusstsein und Weitblick rasch die weiteren Konsolidierungsschritte. Wir haben klare, vernünftige und realistische Ziele in der ambulanten und stationären Versorgung formuliert, damit unsere Medizinkonzeption auch weiterhin ein verlässlicher Kompass für die Gesundheitsversorgung im Rems-Murr-Kreis bleibt.“
Dazu passen die Kliniken ihr Leistungsspektrum, ihre Strukturen und ihre Schwerpunkte an Bedarf und Machbarkeit an. „Erfolgreiche Angebote bauen wir weiter aus. Leistungen, die unser Ergebnis belasten, stellen wir auf den Prüfstand. Das gilt sowohl für die stationäre als auch für die politisch vorangetriebene ambulante Versorgung“, sagt Mertel und erläutert die Neuausrichtung der stationären Angebote: „Wir schaffen klare Profile für beide Standorte. In Schorndorf werden wir unsere Geriatrie zur Hauptabteilung ausbauen und dort einen Schwerpunkt etablieren. Auch unsere Schmerztherapie und unsere Angebote rund um die Rückentherapie werden wir speziell in Schorndorf weiterentwickeln, denn mit unserem Exzellenz-Zentrum für Wirbelsäulenchirurgie innerhalb der Orthopädie haben wir in Schorndorf ein hervorragendes Alleinstellungsmerkmal in der gesamten Region“, so Mertel. „Die Gynäkologie und Geburtshilfe in der Klinik Schorndorf könnte sich mit einem hebammengeführten Kreißsaal künftig noch selbstbewusster und eigenständiger profilieren, denn dieses Angebot ist sehr gefragt bei Familien.“
Klare Profile und Angebote sind für Kliniken heute wichtiger denn je. Mindestens genauso wichtig ist es, noch stärker standortübergreifend zusammenzuarbeiten. „Wir werden dabei alle Potenziale ausschöpfen und weitere Brücken schlagen zwischen Winnenden und Schorndorf“, kündigt Mertel an. „Das tun wir sehr erfolgreich etwa in der Kardiologie, in der Gynäkologie und Geburtshilfe, in der Endoprothetik und in der Laboratoriumsmedizin. Auch in der Radiologie kooperieren wir künftig stärker zwischen den Standorten“, sagt Mertel. Gleichzeitig führt der Geschäftsführer Kooperationsgespräche mit umliegenden Krankenhäusern, um die Bandbreite der Leistungen zu erhalten. „Die enge Vernetzung mit Kooperationspartnern ist ein starker Trend in der Gesundheitsversorgung. Sie kommt unseren Patientinnen und Patienten schon heute zugute und wird für Krankenhäuser immer wichtiger, um medizinische Angebote wirtschaftlich anbieten zu können. Dabei blicken wir auch über Kreisgrenzen hinaus und verdichten unser Netzwerk, das wir 2024 zum Beispiel für unsere Lungenmedizin geknüpft hatten.“
Neben den stationären Schwerpunkten entwickeln die Rems-Murr-Kliniken die ambulanten Angebote als unverzichtbaren Baustein der Medizinkonzeption mit Sinn und Verstand weiter. Vier Medizinische Versorgungszentren (MVZ) wurden seit 2023 gegründet, drei Ambulante Operationszentren kamen seit 2025 als weitere wichtige Säule der modernen wohnortnahen Versorgung hinzu. Gleichzeitig werden ambulante Angebote wie etwa die Klinik-Sprechstunden künftig stärker an ihren Ergebnissen gemessen, denn sie machen einen großen Teil des gesamten Klinik-Defizits aus. „Solche ambulanten Sprechstunden-Angebote überprüfen wir angesichts der oft nicht auskömmlichen Finanzierung in besonderer Weise auf ihre Wirtschaftlichkeit und erwarten, dass hier die Kassenärztliche Vereinigung ihren Versorgungsauftrag besser erfüllt“, fordern Landrat Sigel und Geschäftsführer Mertel.
Zur Weiterentwicklung der Medizinkonzeption und zur Konsolidierung gibt es in den Rems-Murr-Kliniken einen engen Austausch mit den Chefärztinnen und Chefärzten, die im November 2025 in einer Strategieklausur mit dem Träger ihre Impulse etwa zur standortübergreifenden Zusammenarbeit einbrachten. Im Februar 2026 folgte eine zweitägige Klausurtagung mit dem Aufsichtsrat. Im März 2026 wurden die Mitarbeitenden der Kliniken über den Stand der geplanten Maßnahmen informiert.
Der Kreistag hat mit der Zustimmung zur Weiterentwicklung der Medizinkonzeption und zur Konsolidierung nun grünes Licht gegeben, zügig die nächsten Schritte zu gehen. Landrat und Geschäftsführer freuen sich über dieses klare Startsignal: „Bei all unseren Überlegungen, in allen Projektgruppen und Gesprächsrunden begleitet uns eine zentrale Frage: Wie machen wir unsere Medizin zukunftssicher und auf Dauer bezahlbar? Unser Ziel ist es, das Klinikdefizit mit vereinten Kräften auf ein für den Kreis tragbares Niveau von unter 20 Mio. Euro zu bringen. Denn so können wir die verlässliche Versorgung der Menschen weiterhin sicherstellen.“
Wie intensiv der Kreis und die Kliniken bereits in die Zukunft investieren, zeigen die vielfältigen Bauprojekte, die aktuell umgesetzt wurden oder in Umsetzung sind. „Das sind natürlich unsere großen Bauprojekte in der Campusentwicklung mit dem neuen Funktionsbau der Klinik Schorndorf und dem neuen Pflege-Campus am Rems-Murr-Klinikum Winnenden. Auch der Ausbau der Ambulanten OP-Zentren in den Gesundheitszentren des Kreises ist eine sinnvolle Investition“, fasst Landrat Sigel zusammen. „Darüber hinaus ist es uns sehr wichtig, weiterhin Wohnraum für Klinik-Mitarbeitende zu schaffen. Denn auch das sichert neben der modernen Ausbildung die Zukunft unserer Pflege. 162 Personal-Apartments haben wir kliniknah bereits gebaut in Schorndorf und in Winnenden. Jetzt kommen in Winnenden noch einmal 57 Apartments für Auszubildende dazu, worüber ich mich sehr freue.“
Weitere Informationen über die Rems-Murr-Kliniken finden Sie auf unserer Webseite und auch in den Social-Media-Kanälen Facebook, Instagram und YouTube.